Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

die mir in einer gelungenen Arzt-Patienten-Beziehung
Ihr Vertrauen schenkten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die mir wohlwollend und kollegial begegneten

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich nach langjähriger zahnärztlicher Praxis am 23. Oktober 2015 meine zahnärztliche Tätigkeit beende.

Der Verlust des nach vielen gemeinsamen Jahren und in vielfältiger Weise erfolgreichen Teams, welches nicht zuletzt durch die dann lange vergebliche Nachfolge-Suche verunsichert dann erfolgreich nach sicheren beruflichen Zukunftsperspektiven Ausschau hielt, hat mir letztlich die Entscheidung dazu abgenommen.

Mit dem lachenden Auge – jenseits des ärztlichen Denkens und Handelns für meine Patienten, das mir immer ein Anliegen war, noch immer ist und bleiben wird - freue ich mich aber darüber, so manche der frustrierenden "systemimmanenten" Rahmenbedingungen hinter mir lassen zu können. Wer einmal angetreten war, um möglichst vielen Patienten möglichst gute Zahnheilkunde anzubieten, muss in einem zunehmend neoliberal durchideologisierten System Frustrationen hinnehmen.

Und dieses lachende Auge sieht auch auf neue Perspektiven als "Un-Ruheständler":– meiner späten 2. Berufung als HP-Psychotherapie (www.psychotherapie-stoffel.de) werde ich in SF-Tiefenbach 33 folgen. Dabei möchte ich aus meiner gesprächstherapeutischen Ausbildung heraus supportive (unterstützende) Psychotherapie als ein Bindeglied zwischen akuter Krisenintervention auf der einen Seite und spezialisierter Psychotherapie im Kassenleistungsrahmen auf der anderen Seite besonders dort anbieten, wo seelisches Leid nicht immer auf zeitnahe Terminangebote stößt.

Auch werde ich in diesem Rahmen weiterhin ratsuchenden Kolleg_innen und Patient_innen für die psychosomatische Grundversorgung konsiliarisch zu Verfügung stehen (www.konsiliardienst-stoffel.de).

Auch mein Angebot der Balint-Supervisionsgruppen: Hilfe für helfende Berufe, die Teamberatung für Kolleg_innen (www.balint-stoffel.de) und meine Dozententätigkeit für die Studierenden HP-Psychotherapie im ZNH Kempten, Ulm und Ravensburg werde ich fortsetzen.

Das weinende Auge blickt auf 38 Jahre zahnärztlicher Tätigkeit, davon 37 Jahre in Sonthofen und 35 Jahre hier in eigener Praxis zurück mit jenem Wehmut, der allem Abschied inne wohnt – zumal, wenn diese Jahre mehr als nur ein Job, vielmehr Berufung waren. Trotz aller (berufs-) politischen Frustrationen betrachte ich es dankbar als ein Glück, zum einen in meiner Familie jenen Rückhalt erhalten zu haben, ohne den der lange Weg durch Ausbildungs-und Berufsjahre kaum hätte alleine gegangen werden können, zum anderen aber auch, in einem Land zu leben, indem nicht nur die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sondern auch die Ausbildung in den helfenden Berufen – trotz aller Infragestellungen - zumindest vom Grundsatz her  noch immer besser solidarisch geregelt ist als irgendwo sonst auf der Welt. Wie bei allen Werten in unserer Gesellschaft hoffe ich auch hier, dass es mir wie allen Kolleginnen und Kollegen in helfenden Berufen ein Anliegen ist und weiterhin sein wird, den aus einer anspruchsvollen Ausbildung resultierenden Verpflichtungen in Denken, Reden, Handeln und einer persönlichen Haltung gerecht zu werden.

Zum "weinenden Auge" gehört nun auch der Abschied von den vielen Patient_innen, die in dieser Zeit ihr Vertrauen in eine gelingende und beständige Arzt-Patienten-Beziehung eingebracht haben, die Erinnerung an den überschaubaren Kreis jener Kolleginnen und Kollegen, mit denen mich gute gemeinsame Erfahrungen verbinden, vor allem aber von jenen Mitarbeiterinnen, ohne deren fachliche und menschliche Kompetenz die gemeinsame Praxistätigkeit niemals hätte erfolgreich sein können. Mein Dank gilt dabei insbesondere jenen Mitarbeiterinnen, die mir bis zuletzt loyal beiseite standen. Ihnen wünsche ich beruflich wie im privaten Leben an dieser Stelle von Herzen alles erdenkliche Gute.

Dankbar denke ich auch an die gute jahrelange frühere Zusammenarbeit mit den Zahntechnik-Labors  "Wetzstein" und "Zwick" und dort insbesondere Frau Liesl Paster, und in den letzten Jahren Frau Buhl, die Inhaberin des Dentallabors "Zahnschmiede", welches ich allen Kolleg_innen und Patient_innen eindringlich empfehlen möchte.

Für das mir in diesem Zusammenhang von Ihnen, den Patientinnen und Patienten entgegengebrachte Vertrauen und Ihre langjährige Treue danke ich Ihnen auf das Herzlichste. Diejenigen, deren Wünsche ich nicht erfüllen konnte, bitte ich um Vergebung da, wo ich Verantwortung für Enttäuschungen zu übernehmen habe.

Leider ist es mir trotz mehrjährigen Bemühungen nicht gelungen, eine(n) Nachfolger(in) für die Praxis zu gewinnen – Die bekannte Tendenz, dass junge Kolleg_innen nicht "aufs Land", sondern in die Städte und in Angestelltenverhältnisse drängen, bestätigt sich einmal mehr.

Die Praxis wird also aufgelöst, Ihre Behandlungsunterlagen werden von mir privat archiviert, da  eine Herausgabe der Originale an Sie oder andere Behandler gesetzlich leider  nicht zulässig ist.

Abschließend bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass sich für loyale Patienten wie Mitarbeiter in der hiesigen Kollegenschaft gute Partner finden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien auf diesem Wege mit jener Hilfe, die über uns hinausweist, alles Liebe und Gute für die Zukunft und verbleibe
 
mit herzlichen Grüßen

Ihr